Bau eines Puukkos mit Griff aus Birkenrinde

Es gibt manchmal Projekte, die brauchen seine Zeit und selbst so etwas wie der Bau eines Messergriffs kann von der Idee bis zur Umsetzung einige Monate dauern. Das Schöne daran ist, dass sich all die lange Zeit letztendlich oftmals lohnt. Alles fing an mit einer Begegnung auf dem MPS in Hohenlockstedt im Herbst 2016. Dort traf ich auf Ronny, der dort original finnische Messerklingen angeboten hatte. Mich faszinierte daran besonders die Hammerschlagtechnik, mit der die Klingen bearbeitet worden sind und ich entschied mich für diese Optik. Die Klinge hat eine Länge von 9,5 cm mit einem Erl von ca. 12 cm und ist rasiermesserscharf.

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Ronny hatte auch einige fertige Messer im Sortiment, die ich mir ausgiebig ansah. Ein Messer fiel mir dabei besonders auf. Ein derartiges Muster eines Griffes hatte ich bisher noch nicht gesehen. Ronny erklärte mir dann, dass dieser Griff komplett aus Birkenrinde besteht die diese Optik erzeugte. Das wollte ich auch und so begann dieses Projekt.

Das erste Problem bestand darin Birkenrinde aufzutreiben. Birken wachsen natürlich überall doch sollte man keinem Baum die Rinde stehlen, solange dieser noch lebt. Das zweite Problem daran war, Rinde in entsprechend guter Qualität zu finden. Ich wurde schließlich fündig im Dekobedarf, wo Birkenrinde gerne für Herbstdeko verwendet wird. Allerdings muss man dazu sagen, das die Qualität dieser Rinden oft eher schlecht ist, so gab es eine Menge Verschnitt.

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Für Knauf und Kopfplatte wollte ich Messing verwenden und eine vorgelagerte Scheibe dunkles Horn verarbeiten. Messingscheiben kann man zwar kaufen aber wir hatten eine bessere Idee. Nun kam Moh´s Taverne in Spiel. Dieser bot mir sofort an Messingscheiben zu gießen. Wir trafen uns also in seiner Freiluftschmiede und heizten die Esse an. Ich drückte die ungefähre Form in den Formsand während Moh den Tiegel mit Messingspänen füllte und das Feuer das Material in einen anderen Aggregatzustand versetzte. Das Gießen war erfolgreich und ich verfügte nun über wunderschöne Messingscheiben, die nur noch darauf warteten ihre Bestimmung in einem Messergriff zu finden.

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Die Vorbereitung der Birkenrinde nahm einige Zeit in Anspruch. Man schneidet dazu kleine Vierecke aus, die anschließend von der verholzten Oberrinde befreit werden müssen. Anschließend habe ich die Löcher für den Erl mit Hilfe einer Lochzange ausgestanzt. Nun ging es darum die Messingscheiben in eine schöne runde Form zu feilen und auch bei ihnen ein Loch für den Erl zu bohren bzw. auszufeilen. Dabei viel mir die raue Oberflächenstruktur der Messingscheiben auf. Diese entstand durch das Gießen im Formsand und mir gefiel die rustikale Optik, so dass ich diese erhalten wollte und nicht wegfeilte.

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Nachdem alles vorbereitet war, ging es ans Verkleben. Vermutlich hätte es auch genügt den Griff ausschließlich zu vernieten, doch ich wollte auf Nummer sicher gehen. Dazu baute ich mir eine Spannvorrichtung, die ich in einem Buch von Bo Bergmann gesehen hatte. An dieser Stelle ist es nicht unwichtig einen Kleber zu finden, der eine lange Verarbeitungszeit hat. Beim Schichten der Birkenscheiben sollte man darauf achten die Scheiben nacheinander um jeweils 90 Grad zu drehen, so ergibt es ein lebhafteres Muster beim fertigen Griff.

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Nach dem Vernieten ging es daran den Griff oder wie ich es an diesem Punkt gerne nannte „Dönerspieß“ zu bearbeiten. Dabei wurde schnell klar, dass Birkenrinde ein spezielles Material ist. Sie bewirkt, dass herkömmliches Schleifpapier in kürzester Zeit unbrauchbar ist, da sich dieses sehr schnell mit dem Staub der Rinde zusetzt und unbrauchbar wird. Somit entschloss ich mich für die mechanische Variante und besorgte einen Bandschleifer.

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Die typische Fassform des Puukkos ließ sich so schnell und einfach herstellen und ich war wirklich sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Der Feinschliff erfolgte mit 800er Schleifpapier und Stahlwolle. Geölt wurde es mit handelsüblichem Leinöl, um das Muster der Rinde weiter hervor zu holen.

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Ich bin sehr zufrieden mit dem Messer, es liegt wunderbar in der Hand und die Birkenrinde macht es dabei besonders griffig. Dies war mein zweiter Griff überhaupt und der erste aus Birkenrinde. Es dauerte zwar wirklich lange, doch am Ende hat es sich gelohnt. Im nächsten Schritt werde ich eine Lederscheide bauen, um das Messer komplett zu machen und natürlich davon berichten.

Mehr zu Messerbau gibt hier.

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